Stammesvorstand sein – Verantwortung tragen und gestalten können
Bei der Betrachtung der Aufgaben von Vorständen fallen oftmals zuerst administrative Tätigkeiten wie Berichte und Versammlungen ein. Um jedoch in diesen Tätigkeiten auf eine eigene Haltung zurückgreifen zu können und sich sicher zu fühlen, bedarf es einer inneren Überzeugung. Grundlegend ist, dass sich jede und jeder Einzelne überlegt, was sie oder ihn antreibt diese Aufgabe zu übernehmen und auszufüllen. Sicherlich bringt ein Vorstandsamt eine Menge Arbeit und Verantwortung mit sich, doch vermutlich ist das nicht der alleinige Anreiz sich zum Vorstand wählen zu lassen. Im Vorfeld dieser Veröffentlichung wurden einige Stammesvorstände gefragt, was sie zu ihrem Vorstandsamt motiviert. Für die befragten Vorstände war es wichtig, den Stamm und auch andere Ebenen aktiv gestalten zu können. In den Antworten der Vorsitzenden ging es um Begriffe wie umsetzen, Verantwortung übernehmen, leiten, begeistern, vertreten, motivieren. Deutlich wird in all diesen Aussagen, dass Vorstände sich ihrer Möglichkeiten bewusst sind und diesen Einfluss auch nutzen möchten. Ist es denn in Ordnung, sich in ein Amt wählen zu lassen, um den großen Einfluss, den ein Vorstand in einem Stamm oder auf einer anderen Ebene hat, auch einzusetzen? Selbstverständlich! Entscheidend ist aber, zu welchem Zweck und zu wessen Gunsten dieser Einfluss eingesetzt wird. Denn ein Vorstandsposten bringt auch gewisse Macht mit sich. Nur der Vorstand kann über finanzielle Entscheidungen bestimmen und entscheiden, wer im Stamm mitarbeiten darf und welche Aufgaben sie oder er übernehmen kann. Der Begriff der Macht scheint jedoch zu einem Ehrenamt, in dem man häufig mit guten Freundinnen und Freunden zusammenarbeitet, nicht zu passen. Denn auch in der Ausübung dieser machtvollen Position geht es nicht um eigenmächtige Entscheidungen, sondern um gemeinsames Gestalten. Mit der Übernahme eines Vorstandsamtes haben Vorstände Pflichten aber auch eine Vielzahl an Rechten bzw. Gestaltungsmöglichkeiten erhalten.
Vorstände selbst haben die Aufgabe, unter Einbezug aller Personen des Stammes, mit diesen Möglichkeiten verantwortungsbewusst und auf ihre eigene Art umzugehen. Ganz bewusst steht im vorherigen Satz „auf ihre eigene Art“. Die DPSG schätzt die Vielfalt aller Menschen. Es ist gut und wichtig, dass alle unterschiedlich sind. Daher sind auch die Vorsitzenden und Kuratinnen und Kuraten unterschiedlich. Jede und jeder bringt ihre und seine eigene Persönlichkeit, ihre und seine eigenen Erfahrungen im bisherigen Leben, persönliche Überzeugungen und natürlich auch ganz besondere Fähigkeiten mit. Es gibt daher viele Möglichkeiten, Vorstandsämter auszugestalten, zu agieren und sich für den Stamm und seine Mitglieder im Sinne der Werte der DPSG einzusetzen. Sie, also die Mitglieder des Stammes, übertragen durch die Stimmen der Delegierten auf den Versammlungen dem Vorstand ihr Vertrauen und erwarten mit gutem Recht, dass dieser für sie und zu ihrem Wohle handelt. Diejenigen, die an der Spitze einer Gruppe stehen, haben eine besondere Pflicht der gemeinsamen Sache gegenüber. Der Vorstand ist die erste Instanz, die darauf achtet, dass die pfadfinderischen Werte vermittelt und die notwendigen Aufgaben übernommen werden. Gleichzeitig bedeutet das für die Mitglieder des Stammes, dass nicht nur der Vorstand, sondern auch sie Aufgaben übernehmen müssen. Es ist das gute Recht und auch die Pflicht eines Vorstands, alle anderen zur Mitarbeit aufzufordern und dabei mit gutem Vorbild voranzugehen. Baden-Powell gab hierzu einen wichtigen Spruch mit auf den pfadfinderischen Weg, indem er aufforderte: „Sage: Mach mit, nicht Fang an, wenn du eine Aufgabe erledigt haben willst.“ Vorstände werden in ganz vielen Situationen Impulse in den Stamm oder andere Gruppen hineingeben. Am besten gelingt dies, indem sich der Vorstand Menschen sucht, die diese Ideen mittragen und die mitmachen, so wie es Baden-Powell gemeint hat als er sagte: „Sage „Mach mit!“ und nicht „Fang an“, wenn du eine Aufgabe erledigt haben willst!“. Ein Vorstand, der von anderen erwartet, dass sie die Initiative ergreifen und sich alles von alleine regeln wird, vergibt seine Chancen zur Gestaltung und vernachlässigt seine Pflicht.