Das Ende naht – Den Ausstieg aus dem Vorstand planen

In regelmäßigen Teamtreffen setzt sich der Vorstand bewusst auch mit der Zukunft jeder und jedes Einzelnen im Vorstand auseinander. Spätestens im letzten Jahr der Amtszeit stehen schon frühzeitig die Themen im Raum, die sich mit der Zukunft des Vorstands auch nach der nächsten Stammesversammlung beschäftigen. Wie zu Beginn dieses Buchs erläutert, ist eine Widerwahl von Vorständen ohne Begrenzung möglich, jedoch endet die Amtszeit (auch wenn keine Stammesversammlung durchgeführt wird) am Ende des dritten Jahres nach der Wahl. Schon zu Beginn des dritten Jahres sollte also im Rahmen der Vorstandssitzungen auch die Perspektive im Vorstand kontinuierlich thematisiert werden. Damit sich alle gut vorbereiten können wird gemeinsam festgelegt, wann sich der derzeitige Vorstand (sinnvollerweise erst einmal nur der gewählte Vorstand ohne seine Referentinnen und Referenten) mit dem Thema beschäftigt. In diesem Gespräch sollte jede und jeder Einzelne die anderen darüber informieren, wie sie oder er die Zusammenarbeit aktuell empfindet und dann den aktuellen Stand ihrer oder seiner Überlegungen mitteilen:

Möchte ich noch einmal kandidieren?

Wenn ja: Was möchte ich in der nächsten Amtszeit verändern bzw. unbedingt beibehalten?

Wenn nein: Weshalb möchte ich aufhören? Dies kann zwar grundsätzlich Jede und Jeder für sich entscheiden, aber in einem offenen und vertrauensvollen Vorstandsteam sollten diese Punkte angesprochen werden. Denn so kann herausgefunden werden, ob es noch etwas zu tun gibt, z.B. Unzufriedenheit, Konflikte, die geklärt werden können oder Aufgaben, die anders verteilt werden müssen.

Gemeinsam wird dann besprochen, wie diese Informationen in die Stammesleitung und in die Leiterrunde gelangen. Selbst wenn sich ein Vorstand entscheidet, dass alle Amtsinhabenden erneut zur Wahl stehen, ist es wichtig, dies frühzeitig bekannt zu geben. Eventuell gibt es Mitglieder des Stammes, die sich ebenfalls als Kandidatinnen oder Kandidaten aufstellen lassen möchten. Wenn dies so ist, sollte ab diesem Zeitpunkt offen damit umgegangen werden. In einem demokratischen Verband und insbesondere als Pfadfinderinnen und Pfadfinder sind die Entscheidungen sämtlicher beteiligter Personen wichtig. Es werden also die Mitglieder der Stammesversammlung sein, die entscheiden, welche Personen gewählt werden. In der Zeit vor der Stammesversammlung kann es dann zu einer Konkurrenzsituation im Stamm kommen. Das ist für Kinderund Jugendverbände häufig ungewöhnlich und wird schon aus diesem Grund von vielen vermieden, indem eine Person nicht zur Wahl antritt. Dies ist zwar einerseits verständlich, andererseits wird so den Stammesmitgliedern und insbesondere den Stimmberechtigten der Stammesversammlung die Möglichkeit einer „echten“ Wahl entzogen. Vermutlich lassen sich viele negative Gedanken auflösen, wenn im freundschaftlichen Gespräch unter den Beteiligten mindestens die folgenden Punkte geklärt werden: • „Wir werden als Pfadfinderinnen und Pfadfinder auch in dieser Situation fair und partnerschaftlich miteinander umgehen.“ • „Die Entscheidung der Stammesversammlung werden wir akzeptieren.“ • „Nach der Wahl werden wir weiterhin schauen, wo und wie wir uns gut einbringen können.“ • „Vor und auch nach der Wahl werden wir keine persönlichen Konflikte in den Stamm tragen oder diese provozieren.“ All dies schreibt und liest sich mit einigem Abstand sehr leicht. In der jeweiligen Situation kann es aber dann doch zu kleineren Schwierigkeiten kommen. Wichtig ist, nicht aus den Augen zu verlieren, dass alle das Beste für den Stamm möchten. Daher ist es ratsam, sich früh genug (vielleicht auch in Begleitung einer Person von „außerhalb“, also vielleicht einem Mitglied des hauptamtlichen Pastoralteam oder jemandem von Bezirksoder Diözesanebene) zusammenzusetzen und gemeinsam für eine gute Zeit vor der Wahl zu sorgen. Eine „echte“ Wahl hält aber auf keinen Fall nur Schwierigkeiten bereit, sondern eröffnet auch die Möglichkeit, den Stamm gemeinsam weiterzuentwickeln. Mit einer Wahl ergibt sich die Chance, die bisherigen Abläufe im Stamm zu hinterfragen, gemeinsam

um Standpunkte offen zu ringen und sich selbst mit seinem Handeln in Frage zu stellen. Solche Vorgehensweisen sorgen für eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Position, der eigenen Meinung und einem Aushandeln von einer gemeinsamen Perspektive des Stammes.