Ein Vorstand ist geduldig, wenn es schwierig wird
Im Pfadfindergebet bekunden Pfadfinderinnen und Pfadfinder, dass sie geduldig sein wollen, wenn es schwierig wird. Dies ist auch für Vorstände eine grundlegende Eigenschaft. Menschen in einem Verband ringen häufig um Positionen, bringen Ideen mit Herzblut und Enthusiasmus ein und haben Spaß am aktiven Gestalten. Bei so viel Energie und Gefühl kommt es hin und wieder auch zu Schwierigkeiten und Konflikten. Gemeint ist nicht, die Schwierigkeiten bestehen zu lassen und darauf zu vertrauen, dass sie sich von alleine lösen. Die Aussage „… geduldig, wenn es schwierig wird“ meint in diesem Zusammenhang eine beharrliche aber unaufgeregte Haltung, mit dem Ziel, Schwierigkeiten gemeinsam und partnerschaftlich zu lösen. Die Vorstandsmitglieder sowie alle anderen Personen im Stamm sollten daher auch ein bestimmtes Maß an Konfrontation und Konflikten in den zwischenmenschlichen Beziehungen eines
Stammes aushalten und aktiv gestalten können. Insbesondere weil neben der gemeinsamen Pfadfinderarbeit oftmals enge Freundschaften und langjährige Beziehungen vorhanden sind, können das Ansprechen und Klären von Konflikten aus Sorge um die Auswirkungen auf die zwischenmenschlichen Beziehungen schwierig sein. Auch der Vorstand oder seine Mitglieder können in solche Situationen direkt als Beteiligte oder indirekt als Schlichterin oder Schlichter eingebunden sein. Vielleicht übernimmt der Vorstand auch die unangenehme Aufgabe, bereits offensichtliche aber nie thematisierte Konflikte anzusprechen. In einem solchen Fall hat ein Vorstand aus seiner verantwortungsvollen Position heraus gut die Möglichkeit, scheinbar geltende Regel, dass alle um den Konflikt wissen, aber ihn niemand ansprechen darf, zu brechen. Konflikte sind weder ein Zeichen schlechter Führung noch etwas Negatives, sondern beschreiben zunächst einmal unterschiedliche Wünsche und Wahrnehmungen in einer bestimmten Situation. Diese Wünsche offen sichtbar zu machen, mit ihnen zu arbeiten und eine gemeinsame, für alle Beteiligten akzeptable Form zu finden, ist sogar ein Zeichen guter Führung und kann durch eine offene und partnerschaftliche Haltung, die Pfadfinderinnen und Pfadfindern ein großes Anliegen ist, ermöglicht werden. Werden Konflikte lange Zeit nicht beachtet oder vertuscht, drohen sie sich unter der Oberfläche immer weiter auszubreiten und an anderer Stelle, vielleicht bei einer Kleinigkeit, zu eskalieren. Das frühzeitige und konsequente Ansprechen von Konflikten bewahrt vor solchen deutlich schwierigeren Situationen, in denen die Auslöser und ihre bedeutsamen Zusammenhänge nahezu nicht mehr nachvollziehbar sind.8 Der Umgang mit Konflikten in der Leiterrunde ist immer ein sehr sensibles Thema. Wichtig ist es, die Konflikte möglichst zeitnah aufzugreifen und sie dort zu thematisieren, wo sie aufgetaucht bzw. entstanden sind. Die Trennung von persönlichen Freundschaften und den Aufgaben, die die Rolle des Vorstandsmitglieds beinhaltet, ist gerade in diesen Situationen oft schwer einzuhalten. Jedoch ist genau das immens wichtig. In einem gut eingespielten Vorstandsteam ist es wichtig, sich in diesen Situationen gut zu unterstützen und immer wieder den Rückhalt im Vorstand zu signalisieren, sowohl unter den Vorstandsmitgliedern als auch nach außen.