Den Ausstieg ermöglichen
Auch wenn es sich viele die meiste Zeit der Mitgliedschaft in der DPSG vielleicht gar nicht vorstellen können: Irgendwann wird sich jede und Jeder von ihren oder seinen aktiven Ämtern in der DPSG verabschieden, viele sogar die Mitgliedschaft in der DPSG beenden. Diesen Zeitpunkt bewusst wahrzunehmen und auch zu gestalten fällt vielen oft schwer. Es ist ja selten ein Ende für immer und der Spruch „Einmal Pfadfinder – immer Pfadfinder“ kommt weder von ungefähr, noch wird er von vielen Mitgliedern des Verbandes angezweifelt. Weshalb also ein Ende gestalten? Und doch gibt es viele kleine Enden. Das Ende einer Amtszeit als Vorstand, das Ende einer Zeit als Leitungskraft in einer Stufe, das Ende der Aufgabe als Kassiererin oder Kassierer und vieles mehr. Einerseits gilt es, in den Stämmen eine Kultur zu pflegen, die diese Abschiede ermöglicht und andererseits auch eine Einstellung zu entwickeln, die etwas Positives in der Entwicklung sieht und offen mit dem Thema „Ausstieg“ umgeht.
Wenn Menschen sich eine Zeitlang ehrenamtlich engagiert haben, so gilt es, am Ende dieser Tätigkeit auch ihre Leistung anzuerkennen. Auch die Vorstände und die Leiterinnen und Leiter sollen dies erfahren. Von Zeit zu Zeit sollten also die Leiterinnen und Leiter aktiv gefragt werden, wie sie ihre Zukunft sehen. Dabei besteht natürlich die Gefahr, dass der Vorstand wirklich zu hören bekommt „Schön, dass du fragst, ich trage mich wirklich schon länger mit dem Gedanken mein Leitungsamt nicht weiter zu machen. Nun möchte ich dies wirklich mit dir planen.“ Aus Sorge vor solchen Gesprächen wird die Frage nach der Perspektive leider oftmals vermieden. Da jedoch alle Leiterinnen und Leiter sowie Vorstände in Entwicklung sind, darf diese Frage nicht verschwiegen werden. Es steckt unheimlich viel Entwicklungspotential in dieser Frage und die Frage wird niemand erst auf die Idee bringen, mit einer Tätigkeit aufzuhören. Es können dann Stufenwechsel der Leitenden geplant, neue Aufgaben im Stamm oder dru m herum besetzt werden und es kommt zu einer Bewegung auf den Positionen, die auch erfreuliche Überraschungen bereithalten kann. Durch den offenen Umgang mit eigener Motivation und eigenen Ideen – in die ja auch häufig der Beruf und das Privatleben mit hineinspielen – kann es dazu kommen, dass mit einer guten Verabschiedung ohne schlechtes Gewissen einige Leute aus dem Stamm verabschiedet werden. Eine solche Verabschiedung sollte natürlich angemessen zur Tätigkeit und zur Wahrscheinlichkeit des Wiedereinstiegs sein. Eine Person, die sich nach einem Jahr Leitungstätigkeit aus der Stufe verabschiedet, da ein Hausbau ansteht, wird höchstwahrscheinlich anders verabschiedet als eine Leitungskraft, die nach 25 Jahren im Stamm ins Ausland zieht. Pfadfinderinnen und Pfadfinder wissen um die Wichtigkeit von Feiern am Ende von Projekten und Fahrten und vergessen dies oft bei sich selbst. Außer vielleicht einer netten Feier passiert höchstwahrscheinlich nichts – und schon gar nichts schlimmes – wenn man die Perspektiven im Stamm offen anspricht. Das Angebot, sich irgendwann wieder einzubringen, sollte jedoch trotz allen ernst gemeinten Abschiedsritualen unterbreitet werden. Selbstverständlich gibt es unterschiedliche Ebenen und Gruppierungen, in denen ehemalige Vorstände und ehemalige Leitungskräfte weiterhin der DPSG verbunden bleiben. So gibt es die Freunde und Förderer der DPSG, einem Förderverein, der sowohl auf Bundesebene aber auch in einigen Diözesanverbänden sehr aktiv ist. Die Freunde und Förderer (oft „F+F“ abgekürzt) bieten Erwachsenen einen Zugang zum Pfadfindertum auch nach der direkten Tätigkeit als Mitglied, Leiterin oder Leiter. Das geschieht bei thematisch ausgerichteten Jahrestreffen auf Bundesebene, in
Freundeskreisen einzelner Diözesen, Bezirke und Stämme und über die zweimal jährlich erscheinende Mitgliederzeitschrift "notiert". Ebenso gibt es auch verortet bei Stämmen, Bezirken und nahe der Diözesanebene häufig Gruppen, in denen sich ehemalige DPSGler treffen, um ihre Pfadfinderzeit nachklingen zu lassen und oftmals auch dem Verband etwas Gutes zu tun. Auch diese Möglichkeiten sollten dem Vorstand und den Leitungskräften bekannt sein, denn vielleicht ist es für die eine oder den anderen ein guter Weg, um sich nach der aktiven Zeit noch weiter mit dem Pfadfinden zu beschäftigen. Hier der Link zu den „Freunden und Förderern“