Praxistipp: Umgang mit unterschiedlichen Rollen des Vorstands in der Lei-

terrunde Um mit diesen zwei Rollen umgehen zu können, ist es oftmals wichtig, sehr klar zu formulieren, in welcher Position man sich selbst aktuell sieht. Sätze wie „Ich würde mir als Leitungskraft wünschen, dass dies und jenes ginge, muss aber als Vorstand folgendermaßen entscheiden: …“ oder „Da wir als Vorstand auch immer die Finanzen des gesamten Stammes im Blick behalten müssen, schlagen wir vor …!“ Ebenso gilt es, bei Aktionen der Leiterrunde, bei denen es um Spaß und Austausch geht, vielleicht ganz bewusst keine führende Rolle einzunehmen und sowohl in der einen als auch in der anderen Rolle viel nach Meinungen der anderen Beteiligten zu fragen, denn so lassen sich gemeinsame Entscheidungen gut vorbereiten und auch partnerschaftlich umsetzen.

Daher ist es selbstverständlich, dass sich auch eine Leiterrunde entwickelt und die Gruppenphasen ebenso durchläuft wie jede andere Gruppe. Erinnert sei an dieser Stelle an die Gruppenphasen nach Bernstein / Lowy, die im Rahmen der Woodbadgeausbildung vielleicht schon vorgestellt wurden. In diesem Modell durchläuft eine Gruppe unterschiedliche Entwicklungsphasen, die auch für die Leitung der Gruppe bestimmte Aufgaben bereithalten:

Exkurs: Gruppendynamik Um das Leitungsverhalten in der Leiterrunde im Vorstand reflektieren und planen zu können, werden in einem kleinen Exkurs die Gruppenphasen beschrieben. Jedes Mal, wenn mehrere neue Personen in die Leiterrunde kommen, beginnen diese Phasen in gewisser Weise von Neuem. In der Phase des Kennenlernens und der Orientierung herrscht bei allen Neugierde, aber auch Unsicherheit und ein vorsichtiges Abtasten. Alle Beteiligten würden gern etwas über die anderen Personen wissen ohne zu viel von sich selbst preiszugeben. Die Aufgabe der Leitenden, im Fall der Leiterrunde also des Vorstands, ist es, den Rahmen zum Kennenlernen zu gestalten, Möglichkeit zur Begegnung zu schaffen, Sicherheit und Transparenz zu bieten sowie deutlich zu machen, dass alle willkommen sind. In der Phase der Positionsund Rollenklärung versucht Jede und Jeder auf ihre und seine Weise Einfluss zu nehmen. Einige tun dies eher laut, andere leise. Es wird um Positionen gerungen und die Atmosphäre ist zeitweise gereizt. Sympathien und Antipathien bilden sich heraus. Es geht oftmals vordergründig „um die Sache“, aber eigentlich geht es um Beziehungen und Einfluss. Hier ist es wichtig, sich als Leitung etwas mehr zurückzunehmen, aber immer ansprechbar zu sein und darauf zu achten, dass die Konflikte fair und angemessen ausgetragen werden. Während der anschließenden Phase der Vertrautheit geht die Leiterrunde sehr wohlwollend mit sich um und ist sehr eng und vertraut miteinander. Die Beziehungen untereinander sind tragfähiger und doch gelingt es manchmal noch nicht gut, alle Personen zu integrieren. Damit diese Personen nicht auf Dauer außen vor bleiben, benötigt die Gruppe Hilfe. Als Leitung der Gruppe ist der Vorstand teilweise schnell in einer

„Gegenüber“-Position. Entscheidungen und Ideen des Vorstands werden schnell kritisch gesehen. Da viele gute Ideen aus der Leiterrunde selbst kommen, kann sich der Vorstand teilweise zurückziehen. In der sogenannten Phase der Differenzierung kann die Gruppe sehr gut zusammen handeln. Alle können sich je nach Fähigkeit und Situation einbringen. Jede und jeder Einzelne hat innerhalb der Gruppe eine eigene Identität und ist eigenständiges Mitglied der Gruppe. Innerhalb der Gruppe können Gegensätze gut akzeptiert werden, Entscheidungen können relativ leicht getroffen werden und die Zusammenarbeit gestaltet sich angenehm leicht. Leitung dieser Gruppe bzw. dieser Leiterrunde zu sein, bedeutet Ratgeberin oder Ratgeber, Begleiterin oder Begleiter und Ansprechperson zu sein und auf Dinge (Aktionen, Termine, Anforderungen) hinzuweisen, die die Leiterrunde selbst nicht im Blick hat. In der Phase der Ablösung, also zum Beispiel, wenn klar ist, dass einige Leitungskräfte oder auch Personen aus dem Vorstand zeitnah aufhören werden, gibt es die Tendenz, dieses Ende hinauszuzögern und zu versuchen, es nicht dazu kommen zu lassen. Sätze wie „Wann immer ich kann, werde ich aus meinem neuen Studienort zu Gruppenstunden kommen.“ oder „Wir sehen uns sowieso bei jeder Aktion des Stammes, denn ich bin ja nicht aus der Welt!“ deuten auf diese Tatsache hin. Die hier benannten Hoffnungen lassen sich oftmals nicht umsetzen. Als Leitung macht es Sinn, auch ein Ende bewusst zu gestalten und einen Rahmen für Verabschiedungen zu schaffen, jedoch ohne negative Botschaften im Sinne von „das klappt sowieso nicht“ zu übermitteln. Die Besonderheit in unseren Leiterrunden im Gegensatz zu den Gruppen ist, dass es selten ein deutliches Ende gibt, daher werden viele der oben aufgezeigten Phasen nebeneinander stattfinden. Es geht dann für die Mitglieder des Vorstands darum, festzustellen, welche Motive gerade im Vordergrund stehen und was die Gruppe zu diesem Zeitpunkt genau braucht.