Moderation und Gesprächsführung in der Leiterrunde

In jeder Leiterrunde gibt es jemanden, der die Gesprächsleitung innehat. Diese Aufgabe kann der Vorstand auch delegieren. Die Gesprächsführung kann (idealerweise abgesprochen) innerhalb eines Treffens auch zwischen verschiedenen Personen variieren. So wird sie oder er alle anderen begrüßen, die Tagesordnung benennen, von einem Punkt zum nächsten Punkt auf der Tagesordnung überleiten, die anderen um ihre Meinung bitten und auch dafür sorgen, dass die Diskussionen in guter Atmosphäre geführt werden können. Es gibt jedoch einen Unterschied, ob die Person, die das Gespräch leitet, Mitglied der Gruppe ist, also zum Beispiel aus dem Vorstand kommt bzw. Mitglied der Leiterrunde ist oder ob dies jemand Externes ist, also jemand, die oder der ausschließlich für den Zweck der Leitung des Gesprächs dabei ist. Jemand von außerhalb nennen wir Moderatorin oder Moderator. Leitet jemand aus der Gruppe heraus das Gespräch, was meistens der Fall sein wird, so ist dies eine Gesprächsleitung. Wenn diese Person aus der Gruppe kommt, also Teil der Leiterrunde ist, so sprechen wir von einer Gesprächsführung. Eine Gesprächsführung ist nicht zwingend neutral, sie kann die eigene Meinung äußern, muss dies jedoch kennzeichnen. Das heißt, eine Gesprächsführung hat selbstverständlich auch eine Meinung, und kann sich z.B. selbst auf die Redeliste setzen und dann nur für sich sprechen. Ansonsten hat sie oder er die Aufgabe, für die Gruppe in dieser Situation als Gesprächsführung tätig zu sein.

In Kontakt kommen

Besonders zu Beginn ist eine Gruppensituation oftmals unsicher. Die Beteiligten wissen noch nicht genau, was passieren wird. In diesen Situationen ist es wichtig, dass die Moderation Sicherheit vermittelt und erläutert, welche Aufgaben sie oder er übernehmen wird, erklärt, wie der Ablauf ist und ermuntert, offene Fragen zu stellen. Hierzu ist es sinnvoll, mit den Teilnehmenden in Kontakt zu kommen. Dies geschieht oftmals durch eine kurze Vorstellungsrunde und ein wenig „small-talk“ über Alltägliches zu Beginn (vielleicht das Wetter, das letzte Pfadfinderereignis, Geschehnisse aus dem Ort, es darf auch etwas Humorvolles sein…). Durch Gemeinsamkeiten, die sich so schnell finden lassen, werden positive Emotionen ausgelöst, die das gemeinsame Arbeiten sehr erleichtern. In diesen ersten Minuten ist es wichtig, bei Inhalten, die die zu moderierende Gruppe betreffen, nachzufragen und Interesse an der Gruppe und am Thema zu zeigen.

Sicherheit vermitteln Insbesondere zu Beginn orientiert sich die Gruppe stark an der Leitung oder der Moderation. Dies ist ein guter Startpunkt, um mitzuteilen, wie die Moderation ablaufen wird, welche Regeln gelten sollen (z.B. ausreden lassen, Wiederholungen vermeiden, Wortbeiträge kurzhalten, wertschätzend miteinander sprechen, …). Diese Regeln geben allen Beteiligten Sicherheit. Und auch ohne eine Moderation und ohne, dass sie direkt benannt werden, hat jede Gruppe ohnehin schon viele Regeln. So ist oftmals geregelt, ob und wie man sich beim Verlassen des Raumes abmeldet, vielleicht gibt es eine Sitzordnung, die niemand beschlossen hat und noch viele Regeln mehr. Alle diese Regeln kennt die Moderation nicht. Daher sollte sie nachfragen, ob es noch etwas gibt, was die Moderation über die Gruppe wissen muss (z.B. nach einer Stunde spätestens eine Pause zu machen, etc.). Bei der Übertretung von Regeln ist es die Aufgabe der Moderation, an die expliziten Regeln zu erinnern. („Ihr hattet verabredet, dass sich alle einbringen, bisher habe ich noch nicht von allen etwas zum Thema gehört. Ich glaube es wäre wichtig, wenn sich alle mit einbringen, um dem Wunsch der Gruppe zu entsprechen.“). Eine weitere Sicherheit sind die notwendigen Rahmenbedingungen. Hierzu gehören Anfangsund Endzeit, Pausen, eventuell die Protokollführung, die Feststellung einer Beschlussfähigkeit und so weiter.

Die Zeit im Blick behalten

Gemeinsam mit dem Auftraggeber, also dem Vorstand, legt die Gruppe wie oben beschrieben ein Ziel fest. Dieses Ziel muss eine Moderation kontinuierlich im Blick behalten und bei Bedarf den Beteiligten erneut vorlegen. Zur gemeinsamen Erarbeitung eines Ziels können sinnvolle Einstiegsfragen sein:

• Was genau soll für euch am Ende der heutigen Veranstaltung passiert sein? • Was wäre das Mindeste, was wir heute erreichen wollen? • Was wäre das Beste, was wir erreichen können?

Aktiv zuhören Die Beteiligten am Gespräch benötigen oftmals eine Rückmeldung, ob ihr Beitrag auch verstanden wurde. Durch Kopfnicken, Bedanken für den Beitrag oder auch nur den Blickkontakt fühlen sich Teilnehmende oft motiviert, weitere Beiträge einzubringen und empfinden ihren Beitrag als wichtig. Wenn eine Moderatorin oder ein Moderator den Eindruck hat, dass der Beitrag nicht richtig verstanden wurde, so kann sie oder er ihn mit eigenen Worten widerholen und nachfragen, ob sie oder er den Beitrag richtig wiedergegeben hat. Weitere Methoden des aktiven Zuhörens finden sich zum Beispiel in den Literaturquellen von Steve de Shazer.

Alle Teilnehmenden wertschätzen Es ist wichtig, allen Teilnehmenden deutlich zu signalisieren, dass sie und ihre Meinung wichtig sind. Hierzu ist es grundlegend, positive Rückmeldung zu geben („Schön, dass ihr auch so spät am Abend noch zu einem Termin gekommen seid.“ „Ich finde es gut, dass ihr euch diesem umfangreichen Thema stellt.“). Wertschätzend ist auch das Einfordern von Blitzlichtrunden, damit alle einmal zum Thema gehört werden. Es ist wichtig, allen Äußerungen und allen Teilnehmenden einen Wert beizumessen und dies auch vor der Gruppe zu benennen.

Schwierigkeiten gelassen aber konsequent begegnen Es kann immer sein, dass in einer Diskussion, in der es den Beteiligten um wichtige Inhalte geht, auch emotional hochhergeht, dass jemand das Gespräch verlässt oder sich nicht an die verabredeten Regeln hält. In solch einer Situation ist es wichtig, die Gruppe weiter zu begleiten. Neben dem deutlichen und zeitnahen konsequenten The-

matisieren von Regelverstößen gehört es auch dazu, darauf zu achten, welche kleineren Grenzüberschreitungen (z.B. einer anderen Person ins Wort fallen) geduldet werden. Bedenke: was geduldet wird, entspricht immer einer Zustimmung. Scheint die Situation sehr verfahren, so kann die Frage an die Gruppe selbst zur Unterstützung im Prozess sinnvoll sein: „Ihr kennt euch als Gruppe gut, was glaubt ihr, welche Hilfestellung ich als Moderation am besten für euch umsetzen kann?“ Oder kurz: „Ich bin mir gerade unsicher, wie wir weitermachen sollen. Wie lauten eure Vorschläge?“ Ein solch gelassener Umgang mit Schwierigkeiten entzerrt die Situation.

Zumeist wird in den Stämmen um eine Gesprächsführung gehen, daher nur ein kleiner Exkurs zur Arbeit mit einer externen Moderation:

Wenn es die Entscheidung gibt, jemand von außerhalb anzusprechen, um ein Gespräch, z.B. eine Vorstandsklausur, eine Leiterrunde oder eine Jahresplanung, zu moderieren, gibt es einige Punkte zu beachten:

Bei der Gesprächsleitung durch eine externe Person – der Moderation – gibt es vor allem einen Unterschied: eine Moderatorin oder ein Moderator ist nicht Teil der Gruppe. Die Moderation ist inhaltlich neutral, kann daher besser unterschiedliche Sichtweisen aus der Gruppe darstellen und aushandeln.

Gesprächsleitung und Moderation können Methoden vorschlagen, um damit eine Sitzung zu strukturieren. Beide müssen darauf achten, dass sie allen Sichtweisen der Anwesenden gerecht werden, um die Kooperationsbereitschaft der einzelnen Anwesenden nicht zu gefährden. Generell werden die Teilnehmenden einer externen Moderation eher Neutralität und keine eigenen Interessen unterstellen. Die Wahl einer Moderation sollte daher insbesondere bei Konflikten, heiklen Themen, die den Vorstand betreffen, oder bei Themen, bei denen der Vorstand auf jeden Fall mitdiskutieren möchte, in Erwägung gezogen werden. Eine externe Moderation kann z.B. ein ehemaliger Vorstand, eine Gemeindereferentin oder ein Gemeindereferent, Mitarbeitende der Dekanate oder des BDKJ, Personen, die in anderen Stämmen, auf Bezirksoder Diözesanebene oder in anderen Jugendverbänden aktive Personen sein. Unter Umständen ist eine externe Moderation auch mit Kosten verbunden. Auch diese Frage sollte vor einer eventuellen Beauftragung

angesprochen werden. Folgende Aspekte sind für Gesprächsleitung wie Moderation hilfreich:

Auftragsklärung mit der Moderation Moderationen haben andere Aufträge, Aufgaben und Ziele. Diese bespricht die jeweils für die Veranstaltung verantwortliche Person bzw. der Vorstand mit derjenigen Person. Diese Personen bzw. der Vorstand sind Auftraggeberin und Auftraggeber und können gemeinsam festlegen, mit welchem zeitlichen Umfang und mit welchem Fokus das Gespräch geleitet wird. Danach wird der Moderation die Verantwortung für den Diskussionsprozess überlassen. Alle anderen können inhaltlich mitarbeiten und sich aktiv einbringen. Die Moderation ist für den Prozess verantwortlich, jedoch nicht für den Inhalt. Wörtlich heißt „moderat“ „gemäßigt“ oder auch neutral. Moderation ist die unaufdringliche Balance zwischen dem Einfühlen in die Beteiligten und der Kontrolle über den Ablauf. In dieser Rolle hat eine Moderation zu verbleiben und darf sich nicht inhaltlich mitreißen lassen und eigene Ideen oder inhaltliche Argumente einbringen.