Praxistipp Personalgewinnung

Spätestens, wenn sich Jugendliche oder Erwachsene aus den Stämmen zurückziehen, ihre Ämter niederlegen oder nicht mehr als aktive Mitglieder in den Gruppen dabei sein möchten, sollte in einem Gespräch mit dem Vorstand oder vielleicht auch über die Leitungskräfte noch einmal Kontakt aufgenommen werden. In diesem Gespräch kann die Perspektive besprochen werden und auch besprochen werden, ob es vielleicht doch noch Wünsche zur Mitarbeit im Stamm, jedoch an anderer Stelle, gibt. Weiterhin kann dieoder derjenige gefragt werden, ob es ok ist, von nun an ein bis maximal dreimal im Jahr eine E-Mail mit Terminen von Aktionen zu erhalten an denen sie oder er gerne teilnehmen kann. So kann über Stammestag, Werbeaktionen, Gemeindefest, Jubiläen, etc. informiert werden. Vielleicht finden sich bei diesen Aktionen einzelne Personen wieder ein und nehmen Kontakt zum Stamm auf. Auch regelmäßige Jubiläumsfeiern, bei denen die „Alten“ eingeladen werden, können eventuell alle paar Jahre Gedanken wachwerden lassen, sich erneut im Stamm zu engagieren.

Egal wo geworben werden soll, ob im Internet, auf dem Marktplatz, am Gemeindezentrum, ob beim Stadtfest, der Orientierungswoche für neue Studierende, Märkten und Ausstellungen oder beim Bäcker vor Ort: am wichtigsten bei allen Zugangswegen ist es, im ersten Moment Aufmerksamkeit und positive Neugierde zu erregen. Ob dies mit einem schönen Bild aus dem letzten Lager, einem Spruch von BP, einer Aktion in Kluft oder durch einen humorvollen Schreibstil erreicht wird ist letztlich egal und sollte zum jeweiligen Stamm und den gemeinsamen Aktionen passen. Wenn ein Stamm hierzu etwas Geld investieren möchte, sind selbstverständlich auch Werbung an Autos, auf Anhängern, T-Shirts oder vielleicht auch Bierdeckeln in Restaurants, Cafés und Kneipen gute Orte, um Aufmerksamkeit zu erregen. Zuletzt noch eine weitere Idee: einen ganz anderen Blick als die Leiterrunde auf die Tätigkeit der Leiterinnen und Leiter haben die Gruppenkinder. Auch bei diesen lohnt sich sicherlich die Frage, ob sie nicht jemand kennen, den sie sich als Leitungskraft vorstellen können. Vielleicht kommen so ältere Geschwister, Patentanten und Patenonkel oder Nachbarinnen und Nachbarn ins Gespräch, an die vorher niemand gedacht hat.

Die Stufenzuordnung der Leitenden Pfadfinden ist nicht nur das Hobby und die Freizeitgestaltung der Kinder und Jugendlichen in der DPSG, sondern auch die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Leiterinnen und Leiter bringen sich in ihrer Freizeit freiwillig und gerne ein. Wenn es nun darum geht als Vorstand zu entscheiden, welche Leitungskräfte in welches Team bzw. in welche Stufe berufen werden sollen, spielt dies ein wichtiges Thema. Denn anders als im Berufsleben gibt es keinen Vertrag und auch keine Bezahlung, die rechtfertig, dass Vorgesetzte (und in diesem Fall der Stammesvorstand) entscheiden dürfen, welche Tätigkeiten jemand ausführt. So gilt es, persönliche Vorlieben, Eignungen und Neigungen, nach denen die Altersstufe ausgewählt werden sollte, herauszufinden. Wer zu Beginn seiner Leitungszeit noch nicht sagen kann, welche seine bevorzugte Altersstufe ist, sollte die Gelegenheit bekommen, sich die verschiedenen Gruppenstunden einmal anzuschauen und wie in einem Praktikum herausfinden, was ihm oder ihr liegt und was nicht.“20 Auch die Zusammensetzung schon bestehender Gruppen kann für Leitende eine wichtige Rolle spielen.

20 Leitungshandbuch der Wölflingsstufe

Um sich umfassend Gedanken zu machen können folgende Fragen sowohl für den Vorstand, als auch für die Leitungskräfte sinnvoll sein. Wichtig ist: egal wie die Antworten lauten, bei diesen Fragen gibt es kein richtig oder falsch, sondern wahrscheinlich bedarf es immer eines offenen Gesprächs, um die Gründe, Ideen und Vorbehalte gut verstehen und erklären zu können. Mögliche Fragen, um herauszufinden, welche Leitungskräfte in welcher Stufe eingesetzt werden möchten oder sollen, sind:

• Sind eigene Kinder oder Patenkinder in der Gruppe? • Passen Gruppenstundenzeiten und Arbeitszeiten zueinander? • Gibt es bestimmte Wünsche, mit einem bestimmten Alter zusammen zu arbeiten? • Gibt es innerhalb der Leitungsteams bestimmte Konstellationen, die aufgrund von Alter, Geschlecht oder Erfahrung besonders gut oder besonders schwierig umsetzbar sind? • Sind persönliche (Freundschafts-)Beziehungen zu berücksichtigen?

Oftmals wünschen sich gute Freundinnen und Freunde, gemeinsam eine Gruppe zu leiten. Dies kann gut gelingen, muss es jedoch nicht automatisch. In einem Leitungsteam bilden sich oftmals andere Beziehungen und die Mitglieder des Leitungsteams verhalten sich anders als in einer freundschaftlichen Beziehung. Einerseits ist das sehr verständlich, denn als Leitungsteam besteht nun einmal eine andere Aufgabe, die auch anderes Handeln, Auftreten und eine Verantwortung für andere beinhaltet. Für ganz enge Freundschaften ist dies oftmals schwierig, denn es ist eben nicht alles so einfach und wie immer, wie sich die Beteiligten dies vorgestellt haben. Insbesondere, wenn Leitungsteams noch aus weiteren Personen bestehen, ist die Gefahr vorhanden, dass sich diese bei besten Freundinnen und Freunden oder auch bei festen Paaren als „fünftes Rad am Wagen“ fühlen. Hier ist von allen Seiten Fingerspitzengefühl und auch ein offener Umgang miteinander erforderlich.