Eltern, Roverinnen und Rover – potentielle Leitende?
Wie bereits vorher beschrieben, gibt es unterschiedliche Personengruppen, die als Leiterinnen und Leiter in Frage kommen. Wahrscheinlich gab es in den meisten Stämmen schon die Situation, dass Eltern als Leitungskräfte tätig sind (oder werden wollen) und dass über volljährige Roverinnen und Rover als potentielle Leitungsteammitglieder gesprochen wurde. Ob diese Konstellationen wirklich konflikthaft, schwierig oder einfach nur die naheliegende und oftmals auch die beste Lösung ist, muss jeder Vorstand gemeinsam mit der Leiterrunde für sich bewerten. Es gibt jedoch ein paar Stolpersteine, die es zu entdecken und zu bearbeiten gilt.
Eltern als Leitungskräfte?
Sind Eltern geeignete Leitungskräfte? Diese Frage stellt sich in vielen Stämmen ziemlich regelmäßig immer dann, wenn Leiterinnen und Leiter im Stamm selber Eltern werden und deren Kinder Mitglieder in den Gruppen werden. Viele Leitungskräfte entscheiden sich zu diesem Zeitpunkt, ihre aktive Leitungstätigkeit zu beenden, da sie ihren Kindern ermöglichen möchten, „ohne Mami und Papi“ den Kinderund Jugendverband zu erleben und ihre eigenen Erfahrungen außerhalb der elterlichen Aufsicht zu machen. Ob dies eine feste Regel im Stamm ist oder im Einzelfall diskutiert wird, ob die Leiterrunde oder andere Teile des Stammes insgeheim erwarten, dass Eltern sich aus dem Stamm zurückziehen, sobald die eigenen Kinder in den Gruppen mit dabei sind, all dies ist sehr individuell in den einzelnen Stämmen mehr oder weniger offen geregelt. Wichtig ist es, hier gut die Vorund Nachteile abzuwägen und offen im Stamm zu thematisieren. Ist es wirklich unmöglich, als Leiterin oder Leiter im Stamm aktiv zu sein, wenn die eigenen Kinder bei Stammesaktionen mit dabei sind? Ist es möglich und gewünscht, eine Stufe zu leiten aber definitiv nicht als Leitungskraft in der Stufe der eigenen Kinder tätig zu sein? Fest steht, dass Erwachsene, die dem Stamm in den Jahren, in denen die eigenen Kinder klein waren, als Leitungskräfte zur Verfügung gestanden haben, über gute Fähigkeiten verfügen, sich und ihre Familie zu organisieren. Die Kinder werden wahrscheinlich entweder schon erlebt haben, dass ihre Eltern
eine Stufe leiten und sie selbst nicht aktiv in dieser Stufe dabei sind (sondern zum Beispiel in einer Kinderbetreuung oder während bestimmter Zeiten auf ein Elternteil verzichten müssen). Eine grundsätzliche Empfehlung kann es hier nicht geben, aber mit offenem Herzen und gutem Fingerspitzengefühl wird eine individuelle Lösung erreicht.
Roverinnen, Rover und Leitungsämter
Sollen Roverinnen und Rover schon neben ihrer Zeit als Mitglied der Stufe eine Leitungsfunktion einnehmen, auch wenn die Ordnung des Verbandes dies deutlich ausschließt? In vielen Fällen wird dies sicherlich eine naheliegende Lösung für einen Mangel an Leitungskräften sein. Es liegt auch nahe, da Roverinnen und Rover oftmals über viel pfadfinderisches Wissen verfügen, den Stamm und die Leiterrunde gut kennen und viele Roverinnen und Rover auch Lust haben, verstärkt Verantwortung für jüngere Kinder und Jugendliche zu übernehmen. Für Roverinnen und Rover unter 18 Jahren ist die Antwort ein klares Nein. Leiten in der DPSG ist ab 18 Jahren gedacht. Neben diesen guten Gründen gibt es jedoch auch sehr starke Argumente, eine Leitungstätigkeit von noch aktiven Roverinnen und Rovern auszuschließen. Einerseits sollen Roverinnen und Rover ihre Zeit in der Roverstufe genießen und die dort möglichen Erfahrungen machen. Dies ist ihr gutes Recht und beinhaltet viele Möglichkeiten, sich selbst als Jugendliche oder junge Erwachsene weiter zu entwickeln. Unsere Ordnung beschreibt die Haltung der DPSG unmissverständlich: „Mitglieder der Roverstufe können aber nicht gleichzeitig die Leitung einer Altersstufe der DPSG übernehmen. Roverinnen und Rover, die eine Leitungsaufgabe in der DPSG übernehmen, scheiden aus der Roverrunde aus. Roverinnen und Rover haben ein Recht auf ihr Rover-Sein – vier Jahre Leben in der Roverstufe sollten nicht unbedacht verschenkt werden.“23 Da das Vorständehandbuch jedoch keine zweite Ordnung des Verbandes werden soll, sondern praktische und lebensnahe Tipps geben möchte, hier trotzdem einige Anmerkungen zu diesem Thema. Es wird für erwachsene Roverinnen und Rover Fälle geben, in denen aufgrund einer besonderen Situation im Stamm und auch aufgrund ihrer eigenen persönlichen Interessen, die Situation aufkommt, dass sie gleichzeitig ein Leitungsamt übernehmen möchten. So nachvollziehbar hier der Wunsch der jungen Erwachsenen und auch die
23 Ordnung der DPSG (2014), S. 51
Notwendigkeit im Stamm sein mögen: eine Doppelfunktion im Stamm als Leitungskraft und Gruppenmitglied der Roverstufe ist nicht gewünscht, da es viele Nachteile mit sich bringt. Insbesondere bei Fahrten und Lagern sorgt eine Doppelfunktion für große Verwirrung bei Gruppenmitgliedern der geleiteten Stufe aber auch der Roverstufe. Unklare Zuständigkeiten und Zugehörigkeiten sind die Folge. Wenn eine Person aus der Roverstufe als Leitungskraft berufen werden soll, ist es wichtig, dass der Vorstand gut einschätzt, ob wirklich der Wunsch zur Übernahme des Leitungsamtes vorhanden ist oder ob doch Einflüsse von außen (z.B. schon mehrfach angesprochen worden zu sein, dass man Leitungskraft werden sollte) oder eine zu große Verantwortungsübernahme, weil gerade vielleicht Leitungskräfte fehlen, dazu führen. So bitter und schwierig es sein mag: in diesen Fällen sollte die Entscheidung lauten, diejenige Person vorerst nicht als Leitungskraft zu berufen. Gruppenmitglieder haben ein Recht auf ihr Gruppenmitglieder-Dasein und es ist absolut falsch, die Verantwortung zur Lösung solch schwieriger Situationen in einem Stamm auf die Schultern von Roverinnen und Rovern zu verlagern. Ganz eindeutig äußert sich die Satzung der DPSG unter Punkt 34 zum Alter der Leiterinnen und Leitern: diese müssen volljährig sein. Eine Berufung von minderjährigen Leiterinnen und Leitern ist nicht möglich. Der Vorstand ist für den ganzen Stamm verantwortlich. Wenn junge Menschen im Verband als Leitungskräfte berufen werden und damit deren Roverzeit definitiv endet, muss frühzeitig und auf jeden Fall bevor die Personen berufen werden, mit den Leitungsteams der Roverstufe und (aber das gilt natürlich für alle neuen Leitungskräfte) mit dem zukünftig neuen Leitungsteam Absprachen getroffen werden.