Vorstände als Ausbilderinnen und Ausbilder
Für einige junge Frauen und Männer in Vorstandsämtern wird es vielleicht das erste Mal sein, dass von ihnen erwartet wird, anderen Menschen etwas „beizubringen“, denn der Einstieg und die Praxisbegleitung der Woodbadgeausbildung liegen in der direkten Verantwortung des Stammesvorstands. Selbstverständlich haben alle in der Schule oder Gruppenstunde bereits schon vor anderen Menschen über bestimmte Themen gesprochen. Dort gab es aber immer noch Leiterinnen und Leiter sowie Lehrerinnen und Lehrer, die bei dieser Aufgabe begleitet und ggf. korrigiert haben. In der DPSG sind die Vorstände mit der Aufgabe betraut, ihre Leiterinnen und Leiter zumindest in
einigen Schritten selbst auszubilden. Diese Aufgabe stellt für viele eine Herausforderung dar. Doch mit dieser Herausforderung gut umzugehen traut ihnen der gesamte Verband zu und daher dürfen Vorstände gern mit Respekt aber auch mit Lust und Neugierde an diese Aufgabe herantreten. Baden-Powell sah auch bei Herausforderungen die Pfadfinderinnen und Pfadfinder mit der Idee des „learning by doing“ gut aufgestellt. Und zur Übernahme neuer Aufgaben motivierte er immer wieder mit den Worten: „Wenn du deinen Weg durchs Leben machst, wirst du Freude daran haben, neue Herausforderungen in der Arbeit oder in Aktivitäten anzunehmen.“ Niemand erwartet von Vorständen eine perfekte und souveräne Ausbildung. Wie schon beschrieben sind auch Vorstände „in Entwicklung“. Aber mit guter Vorbereitung, einer offenen Arbeit im Team, in der die Aufgaben getreu der Fähigkeiten gut verteilt werden, sind die in den Vorstand gesetzten Erwartungen sicherlich zu erfüllen. Nicht Jede und Jeder muss frei redend vor einer Gruppe stehen, nicht Jede und Jeder muss im Gespräch immer die richtigen Worte finden und niemand ist perfekt. Durch die Arbeit im Team kann man sich gut aufteilen und die vorgestellten Arbeitshilfen erleichtern dem Vorstand die ersten Schritte. So können Vorstände Lust auf Ausbildung ausbauen und aktiv mitgestalten. Einige Vorstände lassen sich von erfahrenen Vorständen begleiten. Es ist empfehlenswert, gemeinsam zu überlegen, was helfen kann. Vielleicht ist es sinnvoll, etwas auszuprobieren und gemeinsame Erfahrungen zu machen. So wird sicherlich jeder Vorstand seinen eigenen Weg finden, der zu ihm, seinem Stamm und seinen Leiterinnen und Leitern passt. Denn dies ist jedes Mal aufs Neue eine interessante Herausforderung.
Der Einstieg
Der Einstieg besteht aus zwei Schritten. Im Einstiegsgespräch, dem Einstieg „Schritt 1“, geht es um die Motivationsklärung und die bewusste Entscheidung zur Leitungstätigkeit. Im Einstieg „Schritt 2“ werden erste Grundlagen zur Gruppenarbeit vermittelt. Im Einstiegsgespräch besprechen der Vorstand und die zukünftige Leitungskraft, warum dieoder derjenige gerne eine Gruppe im Stamm leiten möchte. Da es oft so sein wird, dass bei der Suche nach Leitungskräften diese Person aus dem Vorstand heraus direkt angefragt wird, ist es wichtig zu fragen, weshalb diejenige Person die Anfrage interessant fand und weshalb sie diese Aufgabe anspricht. Diese Frage ist keine Prüfung, sondern dient dazu, sich gegenseitig besser kennen und einschätzen zu lernen. Dies ist für die Vorstandsmitglieder immens wichtig, denn der Vorstand trifft später
vielleicht die Entscheidung, jemanden als Leitungskraft zu berufen. Die Neuleiterin bzw. der Neuleiter erhält in diesem Gespräch grundlegende Informationen über die Rolle als Gruppenleitung. Erwartungen können abgeklärt und gemeinsam das weitere Vorgehen verabredet werden. Welche Inhalte genau Inhalt des Einstiegsgesprächs sein sollen kann in der Arbeitshilfe für Stammesvorstände zu Einstieg und Praxisbegleitung direkt nachgelesen werden. Das Einstiegsgespräch ist kein trockenes und ernstes Bewerbungsgespräch. Alle Beteiligten können lachen, Anekdoten aus den eigenen ersten Schritten als Leitungskraft berichten, gemeinsam Essen, Kochen oder Spazierengehen. So lernt man sich sicherlich besser kennen als durch ein Gespräch ohne aktive Anteile. Insgesamt ist es wichtig, für einen angenehmen Rahmen zu sorgen und zu überlegen, wer mit wem das Gespräch hauptsächlich führt, ob mehrere Neuleiterinnen und Neuleiter gleichzeitig teilnehmen und ob ein, zwei oder alle Mitglieder des Vorstands teilnehmen. Es gibt so viele gute Möglichkeiten, für die sich ein Vorstand entscheiden kann. So bleibt noch der Ratschlag „look at the girl / boy“ um die beteiligten Personen im Blick zu behalten und das Gespräch für alle interessant und locker zu gestalten. Der Einstieg „Schritt 2“ ist ein relativ umfangreicher Ausbildungsteil. Es sind zehn Stunden als Zeitfenster vorgesehen, um die Grundlagen der Leitungstätigkeit und erstes Handwerkszeug für die künftige Tätigkeit zu vermitteln. In einigen Teilen der DPSG bieten Bezirke oder Diözesanverbände den Einstieg Schritt 2 im Auftrag der Stämme an. Vorstände können auch selbst an einem Wochenende oder einem Abend und einem Wochenendtag die für sie wichtigen Inhalte vermitteln. Die Praxisnähe für den eigenen Stamm ist sicherlich deutlich höher, wenn jemand aus dem Stamm diesen Schritt selbst anbietet. Jedoch hat das Arbeiten in einer Gruppe (und selten steigen zeitnah in einem Stamm so viele neuen Leitungskräfte ein, dass eine Gruppe aus mehr als vier Personen entsteht) auch deutlich Vorteile für Methoden und den Austausch. Die Themen und konkreten Inhalte dieses Schrittes finden sich ebenfalls in der oben genannten Arbeitshilfe. Zu beachten ist, dass die Durchführenden hierbei nicht allzu sehr in die Tiefe gehen müssen, auch wenn sie sich bereits sehr viel Wissen zu den Themen angeeignet haben. Es ist ein Einstieg und 10 Stunden sind sehr lang, also ist ein angenehmes Tempo mit guten Gesprächen, interessanten Methoden und einigen Nachfragen wichtig, um die Veranstaltung für alle interessant zu machen. Hiervon haben alle Beteiligten mehr als von einem zehnstündigen Input.
Informationen gibt es bei Bedarf sicherlich auch bei den Bezirksoder Diözesanvorständen, um zu erfahren, wie die Durchführung des Schrittes 2 geregelt ist. Nach dem Einstiegsgespräch und dem Schritt 2 des Einstiegs spricht der Stammesvorstand die Berufung zur Leiterin bzw. zum Leiter aus. Eine Blanko-Berufungsurkunde befindet sich unter http://www.dpsg.de/aktivdabei/ausbildung/materialien.html#zertifizierung
Die Praxisbegleitung neuer Leiterinnen und Leiter
Seitdem die Ausbildung der Leiterinnen und Leiter im Jahr 2005 grundlegend verändert wurde, gibt es offiziell den Teil der Praxisbegleitung. Diese Aufgabe des Stammesvorstands soll sich laut Ausbildungskonzept der DPSG auf das erste Jahr der Leitungstätigkeit beziehen. In den Gesprächen mit neuen Leiterinnen und Leitern kann der Vorstand beraten, wer die Praxisbegleitung übernehmen soll. Dies sollte im Austausch mit den neuen Leitungskräften geschehen. Die Leitungskraft, die die Praxisbegleitung übernimmt, sollte nicht teil des Leitungsteams sein, in dem die neuen Leitenden tätig sind, denn in den Gesprächen zur Praxisbegleitung stehen die Neuleiterin bzw. der Neuleiter selber im Mittelpunkt. Es geht darum, die eigene Rolle im Leitungsteam und der Leiterrunde zu finden, selbständig Ideen zu entwickeln, Konflikte und schwierige Gruppensituationen selbst lösen zu lernen und einen realistischen Blick auf die eigenen Fähigkeiten und Ressourcen zu erhalten. Die Praxisbegleitung, die außerhalb des Gruppengeschehens stattfindet, nimmt einen neutralen, unbefangenen Standpunkt ein und achtet auf die Bedürfnisse der Neuleiterin bzw. des Neuleiters und ihre bzw. seine Weiterentwicklung als Leiterin bzw. Leiter in unserem Verband. Der Stammesvorstand ist verantwortlich dafür, dass die Praxisbegleitung für die neuen Leiterinnen und Leiter stattfindet. Er wählt gemeinsam mit der neuen Leiterin bzw. dem neuen Leiter eine Begleiterin oder einen Begleiter aus. Während der Praxisbegleitung erkundigt sich der Stammesvorstand bei der neuen Leiterin bzw. dem neuen Leiter sowie bei der Begleiterin bzw. dem Begleiter, wie die Praxisbegleitung läuft. Außerdem ist der Vorstand als Ausbildungsverantwortlicher erste Ansprechperson bei etwaigen Konflikten zwischen Begleiterin bzw. Begleiter und Neuleiterin bzw. Neuleiter, um sicherzustellen, dass die Begleitung nicht an zwischenmenschlichen Problemen scheitert. Aufgabe des Stammesvorstands ist auch, der Begleiterin bzw. dem Begleiter im Namen des Stammes für die geleistete Arbeit Danke zu sagen. Die Arbeitshilfe für Stammesvorstände zum Einstieg und Praxisbegleitung gibt weitere Anregungen zur genauen Ausgestaltung der Treffen und listet mögliche Themen auf. Sollte
jemand die Praxisbegleitung durchführen, die oder der nicht Mitglied des Stammesvorstands ist, so bietet es sich an, die Arbeitshilfe gemeinsam durchzusprechen. Sie befindet sich auf der DPSG Homepage unter diesem Link.
Zu Ausbildung motivieren / in Ausbildung begleiten
Die Ausbildung in der DPSG wird mittlerweile nicht nur durch Pfadfinderinnen und Pfadfinder selbst, sondern auch von Personen außerhalb des Verbandes und auch durch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sehr geschätzt. Doch oftmals passiert es, dass vor lauter Aktionen im Stamm, mit den Gruppen und bei alldem was sonst so zu tun ist, das Thema der eigenen Ausbildung weit nach hinten geschoben wird. Auch wenn tolle Ausschreibungen den Stamm erreichen und die Einladungen zu Aktionen neugierig machen, so reagieren viele erst einmal verhalten und zögern, sich direkt anzumelden. „Wer weiß, was dann in drei Monaten so los ist?“ „Da habe ich noch einen Termin mit einem Fragezeichen markiert.“ „Das wäre das vierte Pfadfinderwochenende hintereinander.“ sind Sätze, die oftmals zu hören sind, wenn neue Einladungen durch die Reihen der Leiterrunde oder über die Mailverteiler gehen. All diese Gründe sind sehr gut nachvollziehbar. Doch wie kann es trotzdem gelingen, Leiterinnen und Leiter zu motivieren, an Ausbildungsveranstaltungen teilzunehmen? In Gesprächen mit jungen Leitungskräften zeigt sich immer wieder, dass Vorstände gemeinsam mit anderen erfahrenen Leitungskräften beim Start in die Woodbadgeausbildung eine sehr wichtige Position einnehmen. Es sind nämlich oftmals erfahrene Leiterinnen und Leiter, die durch gezieltes Ansprechen und ein „Lass uns da mal zusammen hinfahren!“ oftmals den Weg in erste Ausbildungsveranstaltungen ebnen. BadenPowell betonte hierzu passend: „Sage “Mach mit“ und nicht „Fang an“, wenn du eine Sache erledigt haben willst!“ Neben dem gemeinsamen Besuchen von Ausbildungsveranstaltungen gibt es noch einige weitere Tipps, die helfen können, Leiterinnen und Leiter noch stärker zu motivieren, sich wirklich bei Veranstaltungen anzumelden und den Schritt aus der Vielleicht-Haltung heraus zu machen:
Von der eigenen Ausbildung erzählen Erfahrene Leiterinnen und Leiter wie sie Vorstände oftmals sind, sind als authentische Menschen in ihrem Stamm gut bekannt. Wenn sie berichten, wie sie selbst Ausbildung
erfahren haben, kommt man gut ins Gespräch, kann Fragen beantworten und das Thema wachhalten.
Ausbildung im Stamm Selbstverständlich gehören die Einstiege und die Praxisbegleitung im Stamm zur Ausbildung, doch warum soll sich das Ausbilden ausschließlich auf neue Leitungskräfte beschränken? Vorstände und auch die Leiterrunde insgesamt kann ein Thema auswählen, an dem alle Spaß haben und etwas vorbereiten. Ob Jahresaktionen, die Fachbereiche der DPSG oder sonstige Themen, die alle interessieren – es werden sich Themen finden. Ob dies etwas zu Musik am Lagerfeuer, Knoten, Zeltkunde oder etwas ganz anderes ist, wird ziemlich egal sein. Wichtig ist, dass die Idee von Leiterinnen und Leitern sowie Vorständen in Entwicklung auch im Vorstand gelebt und als selbstverständlich kennengelernt wird.
Einen Plan haben Vorstände dürfen und sollen Visionen entwickeln, wie sich der Stamm in den nächsten Jahren weiterentwickeln soll. Dazu gehört auch das Thema Ausbildung. Wenn der Plan ist, dass in jeder Stufe mindestens eine Leistungskraft die Modulausbildung abgeschlossen hat, wenn bestimmte Bausteine vermehrt besucht werden sollen, wenn der Vorstand ein oder zwei Leitungskräfte in den nächsten zwei Jahren bis zum Abschluss der Woodbadgeausbildung begleiten möchte, so sind das Ziele, die dem Vorstand auch zustehen. Wichtig ist, diese Ziele bekannt zu geben und gemeinsam zu überlegen, wie sie konkret erreicht werden sollen und wer welche Aufgaben dabei übernehmen wird.
Das Gespräch suchen Der Vorstand kann Ideen entwickeln, wie er sich die Ausbildung im Stamm und den Ausbildungsstand der Leiterinnen und Leiter vorstellt. Schlussendlich entscheidet aber nicht der Vorstand, ob sich jemand zu einer Veranstaltung anmeldet. Nur im Gespräch lässt sich ein Eindruck gewinnen, welche Motive die Leitenden haben, sich in der DPSG zu engagieren (siehe auch Kapitel 7). Sollte es bei den Leitungskräften Sorgen oder Probleme bzgl. der Teilnahme an Ausbildungsveranstaltungen geben, so weiß
der Vorstand nach guten Gesprächen mindestens Bescheid, bestenfalls gibt es gemeinsame Ideen, die allen weiterhelfen.
Nicht nur einmal fragen Die Erfahrung zeigt, dass insbesondere für längere Blöcke der Ausbildung wie Modulkurswochen oder Woodbadgekurse nicht immer der richtige Zeitpunkt im Leben ist. Doch irgendwann passt bei vielen das private und das pfadfinderische Leben sowie das Angebot einer Veranstaltung gut zusammen. Um Leiterinnen und Leiter in der Ausbildung zu begleiten bedarf es also oftmals mehrerer Anfragen und weitere Motivation, um zu erreichen, dass Leitende ihre Ausbildung in der DPSG weiter voranbringen. Wer grade baut, ein kleines Kind hat oder eine Ausbildung abschließt hat oftmals keine Gedanken für die Ausbildung in der DPSG. Sind aber die Kinder größer, ist der Alltag im Job eingekehrt und der Rasen gemäht, suchen viele Menschen die nächsten Herausforderungen.
Finanzielle Unterstützung anbieten Wenn der Stamm die Möglichkeit hat, die Ausbildung finanziell zu unterstützen, dann sollte er dies auch tun. Wenn Teilnahmegebühren oder auch Spritkosten übernommen werden können, so ist dies oftmals für Menschen mit weniger Einkommen, z.B. als Schülerinnen und Schüler, Studierende oder Arbeitssuchende, eine sinnvolle Investition in das Stammesleben. Auch über die Möglichkeit des Sonderurlaubs und weitere Unterstützung sollten Infos oder Kontakte weitergeben werden.
Vorbild sein Wenn auch die Mitglieder des Vorstands regelmäßig an Ausbildungsoder Leiterveranstaltungen teilnehmen, so sind diese ein lebendiges, glaubwürdiges und richtungsweisendes Vorbild. Ermöglicht wird so auch der Kontakt der Leiterinnen und Leiter zu Personen, die auf anderen Ebenen, in anderen Stämmen oder in Arbeitskreisen aktiv sind. So lassen sich in lockerer Atmosphäre gute Kontakte gestalten. Der Vorstand belegt glaubhaft, dass ihm Ausund Weiterbildung wichtig ist und diese in pfadfinderischer Gemeinschaft gelebt werden kann.